Ferientagebuch Südfrankreich - Reisemobilclub Schweiz

Direkt zum Seiteninhalt
www. rmc s chwe i z . ch
Reise-Berichte

Ferientagebuch September 2013
Route Napoléon / Côte Azur /Route des Grandes Alpes

07.09.13
Nach einem letzten Bad im Walensee fahren wir über den Sattel nach Gersau, wo wir uns auf der Fähre nach Beckenried so richtig auf die Ferien einstimmen. Dem Brienzer- und Thunersee entlang, durchs Simmental, an Gstaad vorbei und über den Col du Pillon geht’s Richtung Genfersee. In Thonon les Bains bade ich im Genfersee und wir übernachten auf dem ACSI-Campingplatz.

08.09.13
Das Wetter ist schlechter geworden und so entscheiden wir uns, die Route des Grandes Alpes erst auf dem Heimweg zu fahren. Zuerst besuchen wir die Teufelsschlucht mit der Teufelsbrücke in Jotty. Den ersten Pass der Route, den Col de Get, und den Weg bis nach Cluses fahren wir noch auf dem Trassée der Route. Dann biegen wir ab Richtung Grenoble und fahren den Stellplatz am Lac Monteynard bei Treffort an, wunderschön an einem Stausee gelegen, leider macht uns das Wetter einen kleinen Strich durch den Abend. Heute hat unser Womi die 100‘000 km-Marke durchbrochen!

09.09.13
Nach einer ruhigen Nacht erwachen wir bei kühlen und feuchten 13 Grad. Wir fahren weiter bis nach Sisteron und von dort auf die Route Napoléon, Digne les Bains, Barrême, Castellane bis nach Grasse. In Grasse bleiben wir leider in einem Stau eine gute Stunde stecken, Grund unbekannt. Deshalb sind wir spät dran und die Stellplätze in Saint Aygulf sind bereits „complet“ und in Sainte Maxime sind wir die letzten, die auf den Stellplatz fahren können, leider nicht direkt am Meer. Die Fahrt durch die Berge, über mehrere kleine Pässe (bis 1200 m ü.M.) hat sich aber gelohnt und je weiter südlich wir gekommen sind, je besser wurde das Wetter, allerdings weht ein starker Wind.

10.09.13
Die Nacht war nicht sehr ruhig, liegt doch der Stellplatz praktisch in einem Verkehrskreisel, dafür ist die Entsorgung super. Wir fahren ein kurzes Stück weiter bis zum Stellplatz in Ramatuelle am Strand von Pampellone, proppenvoll, in einem Schilfgürtel gelegen und praktisch direkt am Sandstrand von Pampelonne. Das Meer ist angenehm warm, aber der Wind ist stark, die Temperaturen aber sommertauglich. Nach dem Strandaufenthalt fahren wir mit den Velos noch zum nahen Spar-Markt zum Einkaufen.

11.09.13
Am Morgen spazieren wir auf dem doch etwas anspruchsvollen Weg den Felsen entlang zum Cap Carmarat, durch schöne Buchten und steile Felsen. Auf dem Rückweg treffen wir auf eine Wandergruppe, ein Mitglied davon ist gestürzt und ein Notruf muss abgesetzt werden. Aus der Ferne beobachten wir, wie lange es hier dauert, bis Hilfe eintrifft, und dann müssen die Helfer noch eine gute Viertelstunde zum Opfer marschieren… Den Nachmittag verbringen wir am Strand, durch den dauernden Wind ist das Meer heute ca. 5 Grad kälter als gestern. Den Abend verbringen wir auf dem Stellplatz und geniessen Gschwellti und Chäs.

12.09.13
Wir verlassen den Stellplatz am Meer und fahren nach Port Grimaud auf den ACSI-Campingplatz. Am Nachmittag fahren wir per Velo nach Port Grimaud, bummeln durch den Touristenort und fahren mit dem Boot durch die Wasserstrassen. Der Ort ist eindrücklich, wurde er doch ab 1966 von einem Architekten entworfen, Häuser mit Wasseranschluss und Bootsplatz sind entstanden. Boote von imposanter Grösse zeigen die Nähe zu St. Tropez und Monaco. Am Abend erkunden wir den grossen
Camping- und Miethausplatz mit all seinen Einrichtungen, imposant!

13.09.13
Vormittags fahren wir mit den Velos nach St. Tropez, bummeln durch den Hafen und die Gassen. Am Strand Richtung Citadelle sind wir plötzlich ziemlich alleine, die Touristen sind alle bei den grossen Booten und in den Gassen mit den Boutiquen. Auch wir bewundern natürlich die „Wohnmobile der Meere“, sie sind aber sicher viel teurer in Anschaffung und Unterhalt als unsere Womis…. Am Nachmittag fahren wir Richtung Sainte Maxime zum öffentlichen Strand, bädelen und sünnele ist angesagt. Abends bummeln wir wieder durch die riesige Campinganlage und entdecken wieder Neues.

14.09.13
Am Vormittag fahren wir mit den Velos zum Städtchen Grimaud, das wie eine Festung auf einer Anhöhe liegt, wir sind froh um unsere E-Bikes. Auf dem Rückweg gibt es noch frische Früchte vom Bauern. Den Nachmittag verbringen wir am Strand, den Abend auf dem Camping und mit Planen der weiteren Route.

15.09.13
In der Nacht hat es heftig gewittert und auch am Morgen regnet es noch, es ist also erst mal Putzen angesagt, alles ist verspritzt. Das Wetter bessert wieder und wir bummeln nochmals durch Port Grimaud. Am späteren Nachmittag ist sogar noch ein kurzes Bad im Meer möglich. Zum Abschluss auf diesem Platz gönnen wir uns am Abend einen Drink im Strandrestaurant.

16.09.13
Wir fahren auf der Küstenstrasse Richtung Cannes. Bei den roten Felsen kurz vor dem Cap Roux gibt es Mittagshalt inklusive Schwumm in der wunderschönen Felsenbucht. Ab Cannes geht’s auf der Autobahn bis nach Monaco und von dort hoch über der Küste mit Blick aufs mondäne Fürstentum weiter nach Menton. Ab hier biegen wir wieder in die Route des Grandes Alpes ein, fahren den ersten Pass, den Col de Castillon, mit 705 m ü.M. noch nicht so hoch, aber wir sind schliesslich auf Meereshöhe gestartet! In Sospel fahren wir per Zufall an einen Stellplatz, bleiben dort und bummeln noch durch das schöne Städtchen.

17.09.13
Die Nacht war ruhig aber mit 8 Grad kühl, wir sind in den Bergen angekommen! Wir fahren weiter über den Col de Turini (1607m), den Klassiker der Rally Monte Carlo, den Col Saint-Martin (1500m), den Col de la Couillole (1678m), und den Col de Valberg (1673m). Die Strassen sind teilweise sehr eng, kurvig und steil sowie mit Gewichts- und Höhenbegrenzungen versehen und stellen hohe Anforderungen an Freddys Fahrkünste. Unterwegs fahren wir an einigen Wintersportorten in „Sommerpause“ vorbei, viele Linden-, Kirsch- und Edelkastanienbäume säumen die Strassen. In Guillomes fahren wir wieder unerwartet an einen Stellplatz und beschliessen den Tag in diesem Städtchen an der Zufahrt zum nächsten Pass, dem ersten, der auf gute 2300 m gehen wird.

18.09.13
Heute fahren wir die meisten und die grössten Pässe der Route: Direkt nach Guillomes beginnt die Anfahrt zum Col de la Cayolle (2326m). Wir lesen am Strassenrand etwas von einer Strassensperre zu gewissen Zeiten, fahren aber trotzdem los. Bei der Abfahrt von der Passhöhe stehen wir plötzlich vor dem Schild „Route barée“ und zwar ist das Stück nur zwischen 12.00 und 13.00 Uhr befahrbar, jetzt ist es 10.30 Uhr, also 1.5 Stunden Zwangspause mitten auf der Strasse, c’est la Vie! Weiter geht’s über den Col de Vars (2109m), den Col d‘ Izoard (2360m), den Col du Lautared (2058m), den Col du Galibier (2645m) und den Col du Télegraphe (1566m). Bei der Anfahrt zum Col du Galibier fahren wir in ein heftiges Gewitter und verzichten deshalb auf die Gipfelrunde und nehmen die Abkürzung durch den Tunnel auf gut 2500 Metern. Überall verfolgt uns die „Tour de France“, führt sie doch jedes Jahr über einige dieser Pässe, erst jetzt realisieren wir die Leistung dieser Sportler! Unterwegs fahren wir durch pittoreske Landschaften, wie z.B. „la Casse Déserte“ am Izoard. Die Strassen sind teilweise eng und sehr steil, wir hoffen manchmal einfach, dass kein Gegenverkehr kommt, was zum Glück meistens auch so ist. Das Gebiet hat viele Wintersportorte, in denen jetzt kaum Betrieb ist. In Saint- Michel-de Maurienne in den Savoyen fahren wir den örtlichen Campingplatz an, bummeln noch durch den Ort und kaufen den superfeinen Beaufortkäse, klar gibt es zum Znacht Gschwellti und Chäs!

19.09.13
Heute steht eigentlich der Col de l‘ Iseran, der höchste asphaltierte Pass der Alpen mit 2764 m Höhe auf dem Programm, aber schon kurz nach unserem Nachtquartier wird er als geschlossen angezeigt, entweder hat es in der Nacht geschneit oder das gestrige Gewitter hat die Strasse blockiert. Wir suchen uns also eine Alternativroute und fahren über den Col de la Madeleine (1993m) und wieder zurück auf die Route des Grandes Alpes, dieser Pass ist auch nicht ohne, v.a. die Nordrampe ist sehr eng und kurvig. Der Cormet de Roselend (1967m) mit dem schönen Stausee, und der Col des Saisies (1650m), eigentlich kein richtiger Pass, sondern eine grosse und mondäne Wintersport-Destination, sind unsere weiteren Ziele. In Beaufort besichtigen wir die Käserei, den Käse haben wir zuvor auf dem Pass gekauft. Der nächste Pass, der Col des Aravis (1487 m) ist auch unser nächstes Nachtlager. Kurz unterhalb der Passhöhe liegt ein Parkplatz auf dem man in der Alp für zwei Euro die Übernachtung bezahlen kann. Wir geniessen vor dem imposanten Panorama der Mont-Blanc-Gruppe vor dem Womi ein feines Fondue. Ausser Kuhglockengeläute ist nichts zu hören.

20.09.13
Die Nacht war mit 4 Grad die kälteste unserer Reise, die Womi-Heizung muss arbeiten. Der Blick am Morgen zum sonnigen Mont-Blanc ist imposant. Heute nehmen wir die zwei letzten Pässe unter die Räder, den Col de la Colombière (1613m) und den Col des Gets (1163m). Auch diese Pässe haben es in sich, obwohl nicht mehr so hoch. Auch von les Gets an den Genfersee hinunter wird es noch einmal sehr eng. Vom Genfersee geht’s direkt nach Schwarzsee zum Treffen des RMCS, wo wir wohlbehalten gegen 16.40 Uhr eintreffen und den Abend geniessen. Die Route des Grandes Alpes ist eine der berühmten französischen Strassen durch die Alpen zum Mittelmeer. 1913 wurden die ersten fünf Teiletappen eröffnet, 1937 war sie durchgehend fertig. Sie führt auf ca. 700 km über 17 Alpenpässe und insgesamt etwa 15‘700 Höhenmeter von Thonon les Bains am Genfersee nach Menton am Mittelmeer. Sie ist schwach frequentiert und nicht unbedingt alltagstauglich. Mehrere Teilstücke sind Etappen der Tour de France.

Einige persönliche Gedanken zur Route des Grandes Alpes:

Ich wollte wieder einmal ans Meer, Freddy liebt das Wasser nicht so sehr… wir mussten also eine Lösung finden, die beiden gerecht wird. So wurde das Internet beigezogen, und wir sind auf diese Route gestossen. Freddy liebt das Fahren im Gebirge und ich komme so trotzdem ans Meer. Da das Wetter in der ersten Woche Schnee bis auf 2000m angesagt hat, haben wir die Route erst am Heimweg gefahren. Die Route ist nur gewohnten Bergfahrern zu empfehlen, sogar Freddy musste eine einzige Kehre zweimal anfahren und das beisst ihn noch heute. Die Strassen sind teilweise nur einspurig, steil und sehr eng, manchmal hofft man einfach, dass in der nächsten Kurve kein Gegenverkehr kommt. Deshalb haben wir wahrscheinlich auch nur in Motorrad- Foren etwas über diese Strasse gefunden. Gewichtsbegrenzungen (tiefste 4.5t) und Höhenbegrenzungen (tiefste 3m) sind nicht selten. Auch sollte man damit rechnen, dass kurzfristige Strassensperrungen vorkommen können oder Pässe gesperrt sind, man Alternativrouten bereithalten muss. Wir hatten gute Michelin-Karten im Massstab 1:180‘000 dabei, und deren Anschaffung hat sich gelohnt. Meistens waren die Strassen zu den Wintersportorten einigermassen gut, weiter oben oder auf der anderen Passrampe dann wieder sehr schlecht. In Frankreich sind wir dafür immer wieder ganz unverhofft auf kostenlose, einfache aber offizielle Übernachtungsplätze mit guten Entsorgungs-Einrichtungen gestossen. Wenn man neben der Strasse auch noch etwas von den vielen Sehenswürdigkeiten (Forts, Militäranlagen, Städte etc.) besichtigen will, sollte man allein für diese Route 6-7 Tage einplanen, wir haben es in 4.5 Tagen gemacht und konnten dadurch auch nicht allzu viele Besichtigungen machen, wir haben uns auf die Etappenziele beschränkt, einzig in Beaufort haben wir eine Schaukäserei besichtigt und natürlich gab es auf jedem Pass einen grosszügigen Fotohalt. Für eine Clubreise ist die Route des Grandes Alpes deshalb, trotz all ihrer Schön- und Eigenheiten leider nicht zu empfehlen.

sonja strebel, 25.09.2013



+41 76 320 69 80



RMC-Schweiz
CH-8172 Niederglatt

Aktualisiert am 15.12.2017
Zurück zum Seiteninhalt